röntgenBLICK #12

Die Big Five for Life 

Und was steht auf deiner Visitenkarte? 

 

Nach Weihnachten habe ich endlich das Buch „Big Five for Life“ von John Strelecky gelesen. Ein Bestseller des Autors vom „Café am Rande der Welt“. Die Zeilen zu lesen tut gut. Gerade in dieser Zeit, in der es ruhiger wird, die Arbeit und ein kleinwenig die Welt stillsteht.Strelecky lädt ein, aus seinem Leben das zu machen, was man wirklich möchte, und zu erkennen, was wirklich zählt. Er rät, seine Big Five for Life, seine großen Lebensträume und -ziele zu leben und appelliert dabei nicht nur an jeden Einzelnen, sondern insbesondere auch an die Führungskräfte, die dies bei ihren Mitarbeitern fördern sollen.

Beim Lesen stieg so ein Gefühl in mir hoch, das sagte, ja, meine Lebensträume leben, das wäre schön. Wäre. Es schwebt dieser Unterton mit, der suggeriert, das sei nicht erlaubt. Man kann im Leben nicht nur machen, was man möchte, höre ich innerlich jemanden sagen. Irgendwie denke ich bei diesem Jemand an einen Menschen ein oder zwei Generationen über mir. Also an die Generationen, die gelernt haben, sich zusammenzureißen, diszipliniert zu sein und sich dankbar und bescheiden zu zeigen. Es rebelliert in mir, dass dies nicht mehr passt – zu unserer Welt heute oder zumindest zu mir. Ich meine, dass man Lebensträume durchaus leben darf.

Zurück zu Strelecky: sein Problem oder das seines Buches ist es, dass er zwar sehr gut die Sehnsucht nach Selbstverwirklichung schürt, er lehrt mich aber nicht wirklich, wie ich herausfinde, welche Big Five nun meine Big Five sind. Weltreise steht da als Beispiel – das klingt immer gut, die habe ich aber schon gemacht. Eine Freundin von mir fragt mich ebenfalls, wie sie auf ihre, für sie wichtigen Lebensziele kommt. Mein Tipp dazu: (auf)spüren! Ich weiß, die Antwort ist nicht zufriedenstellend, denn im Zweifel hätte sie dies schon längst gemacht, wenn sie es könnte. Ich selbst hatte Glück: ich konnte meine großen Ziele und Wünsche (auf)spüren beim Lesen des Buches. Dank der inneren Ruhe und Muße in dieser Zeit. Und weil ich gelernt habe, meine innere Stimme zu hören und ihr zu vertrauen. Letztere spricht nur, wenn ich selbst ruhig und ausgeglichen bin. Wenn sich meine Gedanken verlieren und ich mal nichts denke, plane, bewerte. Dann kommen mir die besten Ideen. Zum Beispiel für meine Big Five for Life. Schnell hatte ich sie an entsprechender Stelle in das Buch gekritzelt. Zwei Punkte fühlten sich nicht ganz stimmig an und wurden zusammengefasst. Ein weiterer wichtiger, der mir nicht sofort eingefallen war, konnte dadurch dazu genommen werden. Die Worte sind nicht perfekt gewählt und ich tendiere dazu, dies dann noch 120% rund zu machen. In diesem Fall aber habe ich einfach weitergelesen und nun ist es gar nicht mehr wichtig, alles perfekt zu beschreiben. Ich spüre, was ich meine. Ich spüre die Lust auf das, was ich mir vorgenommen habe. Es fühlt sich richtig an, es motiviert, es lässt mich (röntgen)strahlen.

Strelecky erzählt in seinem Buch, dass jeder Mitarbeiter eines dort beschriebenen, großen Unternehmens seine Big Five for Life nicht nur kennt und sie zu seiner Jobbeschreibung passen müssen, sondern auch, dass ein jeder sie auf seiner Visitenkarte stehen hat. Als ich das las, scheint mein Puls schneller zu schlagen. Ups, denke ich, das ist aber mutig. Rückblickend denke ich: warum? Meistens sind doch Lebensziele nichts Schlimmes oder etwas, das man verstecken müsste? Woher also diese Art von Scham und Unsicherheit, die mich da befiel? Ich glaube, wir sind es nicht gewöhnt, offen zu kommunizieren, was wir wirklich möchten, und ehrlich zu dem zu stehen, was uns gut tut. Dabei sind wir doch sowohl im Beruf als auch im Privaten am wertvollsten für uns selbst und für andere, wenn wir zufrieden sind und „in unserem Element“. Dann stecken wir unsere Mitmenschen förmlich an, sie umgeben sich einfach gerne mit uns – manchmal ohne genau zu wissen warum.

Obwohl es mir weiterhin etwas schwer fällt, gebe ich deshalb einen Einblick in meine Big Five for Life:

  1. Menschen inspirieren

Das ist genau das, was ich vor allem durch meinen Beruf (er)leben möchte. Ich stehe voll hinter dem, was ich in meinen Trainings unterrichte und ich möchte Menschen meine Impulse und Tools an die Hand geben, damit sie ihren eigenen, für sie stimmigen Weg besser wählen und gehen können. Früher habe ich gerne als Angestellte gearbeitet, ich liebte das Netzwerken und das Arbeiten mit vielen verschiedenen Menschen. Das darf auch bleiben, aber heute trägt auch der fachliche Inhalt meines Berufs dazu bei, dass ich Menschen inspiriere. Dies verdanke ich meinem großen, für mich mutigen Schritt in die Selbständigkeit.

  1. Lebensumfeld mit viel Weite & Schönem

Hierbei geht es primär um meinen Lebensmittelpunkt, also Köln, aber auch Orte, die ich z.B. in den Ferien besuche. Stilvolle, minimalistische Innenarchitektur, liebevolle, eher puristische Dekoration, große Räume, weite Blicke. Das sind Worte die mir dabei aus dem Geist sprudeln. Ferien am Meer, wie wir sie gerade für ein paar Tage in Greetsiel verbracht haben, tun mir z.B. unendlich gut. Ich liebe es, die schönsten Ecken des Orts zu fotografieren und in die Ferne zu blicken. Meine Seminarräume auf Gut Schillingsrott habe ich mit viel Herzblut gestaltet und bin fast traurig, dass sie nun schon eingerichtet sind. Die Sehnsucht in diesem Bereich ist noch groß und ich bin gespannt, wie ich sie stillen werde… ein großes Haus am Rande von Köln? Ein alter Hof nahe des Meers…?

  1. Fit und gesund im eigenen Körper

Hierbei geht es mir nicht um einen schönen Körper, sondern vielmehr um Vitalität und Kraft. Und auch um Stressabbau und Auspowern, was seit rund 3 Jahren deutlich zu kurz kommt. Noch bin ich auf der Suche nach dem Sport, der mich einmal wieder derart in seinen Bann zieht, dass ich ihn regelmäßig ausübe. Denn leider habe ich viel Disziplin und Eigenmotivation was den Job angeht, aber recht wenig, wenn es darum geht, mehr Zeit für gesundes Kochen aufzuwenden oder Sport zu treiben, um z.B. meinen schwachen Rücken und meine Ausdauer zu stärken. In 2019 soll das anders werden und ich freue mich sogar auf meinen erneuten Anlauf – eine gute Voraussetzung, denn schlechtes Gewissen allein hilft nicht.

  1. Neues entdecken

Mein großer Durst die Welt zu erkunden, neue Kulturen kennenzulernen und in die Ferne zu schweifen ist durch meine Weltreise (vorübergehend?) gestillt worden. Was bleibt ist die Lust, neue Orte zu entdecken, insbesondere das Schöne dort zu suchen und zu finden – interessante Kunstwerke, alte knorrige Bäume oder liebevoll eingerichtete Cafés zum Beispiel. Das Sich-mal-Rausnehmen und Abstandschaffen zum Alltag ist in dieses Lebensziel stark verwoben. Denn dann bekommt mein Kopf einmal eine Pause. Die vielen kleinen Aufgaben im Haus – beruflich wie privat – werden beim Neuen-Entdecken temporär ins „Hinterstübchen“ geschoben.

  1. Partnerschaft intensiv leben

Da wir dieses Jahr heiraten, ist es vermutlich nicht weiter verwunderlich, dass meine innere Stimme sich hierzu bei den Gedanken an meine Big Five äußert. Karriere im Sinne von Ansehen und Gehalt sind heute nicht mehr so wichtig, die Zeit mit dem Partner dafür umso mehr. Diesen Wertewandel erlebe ich bei vielen meiner Freunde in meinem Alter. Ich bin dankbar, dass ich nach einer erfüllten Karriere an diesem Punkt angelangt bin und den Versuchungen des Erfolgs im klassischen Sinne derzeit gut widerstehen kann.

Das sind sie also, meine spontan niedergeschriebenen Big Five, die ihr auf meiner Visitenkarte lesen könnt. Hier ist vermutlich nichts dabei, was euch groß erstaunt. Das ein oder andere Lebensziel würde ich vermutlich auch auf eurer Visitenkarte finden. Wichtig ist auch nicht, wie verrückt oder außergewöhnlich unsere Träume sind, sondern wie groß das positive Gefühl ist, das sie bei uns auslösen. Und das können ganz simple Dinge sein, wie endlich Spanisch lernen als Beispiel aus dem Buch.

Falls es euch wie meiner Freundin geht und es euch nicht auf Anhieb gelingt, eure innere Stimme zu hören und zu spüren, was eure Big Five for Life sind, dann schnuppert mal in mein Pfadfinder-Seminar. Hier durchleuchten wir unter anderem eure verschiedenen Lebensbereiche und Lebensrollen, damit ihr die für euch richtigen Ziele für 2019 – oder auch für das ganze Leben – finden könnt. Mehr dazu hier: www.ina-roentgen.de/pfadfinder.

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Ina Röntgen ist Trainerin und Coach in Köln. Auf Gut Schillingsrott leitet sie Seminare zur Persönlichkeitsentwicklung. Ihre Kernthemen sind berufliche Neuorientierung, Menschenkenntnis & Selbstwahrnehmung, Stressmanagement und (Lebens)Ziele. Als ehemalige Führungskraft der Deutschen Telekom und Unternehmensberaterin bei Roland Berger hält sie Firmenseminare und Impulsvorträge wie z.B. Leadership Basics oder Verhandlungsführung.